Torf bildet sich gewöhnlich dort, wo das Wasser nicht abfließen kann - in Mulden und Senken. Die Kudlačena liegt an einem leicht geneigten Nordhang über dem Tal des Baches Dížená, und dennoch ist sie torfig. Schuld ist der Untergrund: Unter der Verwitterungsschicht liegen undurchlässige Tonschichten, über die das Wasser nicht weiter abfließt. Es sickert durch den Hang, hält sich im Boden, und die Pflanzen zersetzen sich in der ständigen Nässe nur halb.
Eine solche vernässte Wiese heißt in der Walachei sihla. Echte Torfmoore gab es in den Beskiden wenige, sihly aber genug - nur dass die meisten von ihnen nicht mehr existieren. Entwässert wurde schon zur Zeit der Ersten Republik, und was blieb, erledigten die sozialistischen genossenschaftlichen MeliorationenMelioration - Umgestaltung landwirtschaftlicher Flächen, hier vor allem Entwässerung durch ein Netz von Rinnen und Rohren, damit sich eine nasse Wiese maschinell bewirtschaften lässt.. Die Kudlačena ist eine der letzten, und genau deshalb ist sie geschützt.
Die Wiese als solche ist aber nicht natürlich. Ohne Wald hielt sie die Bewirtschaftung - Mahd im Spätsommer, gegebenenfalls Beweidung. Die Pflanzen, derentwegen heute Naturschützer herkommen, haben sich an genau dieses Regime gewöhnt: eine kurze Abfolge von Schnitten, Nässe und keine Gehölze.