Einst, als Gebete statt Karten den Weg durch die Berge wiesen, soll auf dem Radhošť ein goldener Radegast gestanden haben. Der Gott der Sonne, Ernte und Gastfreundschaft blickte vom höchsten Punkt der Gegend auf Täler voller Herdrauch. Bergbewohner stiegen mit Opfergaben hinauf: Honig, Korn, der ersten Frühlingsmilch. Um das Götzenbild brannte ein Feuer, das nie erlöschen durfte. Zur Sommersonnenwende wurde oben getanzt und einem weißen Stier geopfert.
Der Berg selbst soll hohl gewesen sein. Unter Weiden und Buchenwäldern lagen Gänge und Säle, in denen Radegasts Priester Schätze aus der ganzen Mährischen Walachei hüteten. Dort, im Dunkel unter dem Gipfel, verbargen sie das goldene Götzenbild, als sich von Velehrad die Nachricht eines neuen Glaubens verbreitete.
Die Nachricht trug zwei Namen: Cyrill und Method. Die Brüder aus Thessaloniki brachten Schrift und Wort nach Mähren und sollen bis zum Fuß des Radhošť gelangt sein. Der Sage nach nächtigten sie im Tal an einer Quelle. Als morgens der Nebel aufriss, sahen sie oben das goldene Götzenbild glänzen. Sie stiegen auf dem Pfad hinauf, den heute jeder Pilger von Pustevny nimmt. Menschen aus dem Vorland folgten ihnen, neugierig, wer sich oben mit wem messen würde.
Oben soll Method lange geschwiegen haben. Dann sagte er den Bergbewohnern, er nehme ihnen weder Berg noch Feuer noch Lieder – nur das Götzenbild, das nehme und nichts gebe. Radegasts Statue wurde vom Felsen gestürzt. Ihr Schicksal wird zweifach erzählt: Sie sei ins Tal gerollt und liege bis heute moosbedeckt in einer Schlucht. Oder die Priester hätten sie noch ins Berginnere getragen und den Eingang verschüttet. An der Opferstätte errichteten die Brüder ein Kreuz – das erste der Kreuze, die jahrhundertelang auf dem Gipfel standen, bevor die heutige Kapelle entstand.
Doch Radegast verschwand, wie so viele alte Götter, nie ganz. Es heißt, er wohne in den unterirdischen Sälen und bewache den Schatz, der bei ihm geblieben sei. Die Eingänge zu seinem Reich kenne nur der Berg selbst. Mal öffnen sie sich in der Cyrilka, einer langen Spaltenhöhle knapp unter dem Kamm, mal in der Volářka unter dem Gipfel. Hirten erzählten von Löchern, in denen ein hineingeworfener Stein endlos falle, ohne hörbar den Grund zu erreichen. Bei schweren Gewittern dröhne der Berg, als wälze sich etwas Schweres in der Tiefe.
Der Schatz öffnet sich, so heißt es, einmal jährlich: am Karfreitag, wenn in den Kirchen die Passion gelesen wird – Christi biblische Leidensgeschichte. Wer dann den Eingang findet, darf sich die Hände füllen, aber weder sprechen noch zurückblicken. Ein Bauer aus Bečva soll das Gold gefunden haben. Am Ausgang fiel ihm seine drinnen vergessene Mütze ein. Er blickte zurück, der Fels schloss sich. Lebenslang kam er jeden Karfreitag zum Berg und wartete, ob er sich nochmals öffnete. Er öffnete sich nie mehr.
Bei der Kapellenweihe 1898 sollen alte Leute aus Trojanovice gesagt haben, der Berg habe endlich Frieden gefunden: oben Kreuz und Glocke, unten im Dunkeln der alte Gott. Dazwischen der Kamm, über den bis heute Menschen hinaufsteigen, zum einen oder zum anderen. Der Berg, so scheint es, trägt beide.
Jan Jiří Středovský hielt die barocke Legende als Erster fest. Sie ist in vielen späteren Fassungen überliefert, aber keine historische Quelle.